ABACUS Medien & Netz

Jeder erfindet irgendwann eine Geschichte, die er für sein Leben hält...


Eine analoge Alternative im Digitalen

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Für alle die, die gelegentlich des Tippens und Wischens auf Bildschirmen und dem Hämmern auf Tastaturen, dem Mausklicken in den zahllosen Programmen, Apps usw, überdrüssig sind, die einfach nur mal schnell einen Gedanken skizzieren wollen, ohne mit Schrecken feststellen zu müssen, dass der Digital Pencil nur 10% Energieladung besitzt oder man bei Sonne auf dem Display nichts erkennen kann oder wie so oft, das Netz lahm wie zu Zeiten der Akustik-Koppler-Modems ist...für alle die gibt es Alternativen. Einfach mal wieder analog arbeiten, das Gefühl, einen Stift in der Hand zu halten, der physisch schreibt, manchmal sehnt man sich danach.

Wie steht es eigentlich um die eigene Handschrift? „Schönschreiben“ war früher mal ein Unterrichtsgegenstand in der Schule. Eine ausgeprägte Handschrift galt als persönliche Visitenkarte. Aber wenden wir uns eher den praktischen Dingen zu. Nichts geht schneller, einfacher und prägt sich unserem Gehirn besser ein, als eine selbstverfasste handschriftliche Notiz. Der Mensch hat den handschriftlichen Vorgang als perfekte Synchronisation von Denken und Handeln erfunden. Während man einen Satz schreibt, denkt das Gehirn über die Formulierung nach. Beim Tippen in die Tastatur klappt das irgendwie nicht, zu sehr sind wir von den Tippfehlern, Korrekturen, Optionen der Software, einem wackligen Netz, dem Absturz eines Programmes u.v.a abgelenkt.

Das gute alte Notizbuch
Die Moleskine-Bücher, so scheint es, haben vor einigen Jahren einen neuen Trend entfacht. Das gute alte Notizbuch. Tausende mehr oder weniger schöne Notizbücher kann man heute kaufen, sie fühlen sich gut an, sehen gut aus und viele Menschen nutzen sie, um persönliche Dinge zu notieren. Bleibt gelegentlich die Frage, wie man die Notizen in den Computer kriegt, sie als Mail verschicken kann oder in einer Präsentation eine gelungene Skizze, ein Scribble, verwenden? Die Geschichte der digitalen Stifte ist mehr als 10 Jahre alt. Angefangen hat es mit Lösungen von Logitech, Oxford. Eine Zeit lang erfreuten sich Livescribe Stifte einiger Beliebtheit. Geblieben ist NeoNotes mit seinem Smartpen, den es auch als Moleskine Stift zu kaufen gibt. Die meisten Lösungen nutzten das Annoto Verfahren, bei dem im Stift eine Kamera Mikropunkte auf dem Papier erkennt und die gezeichneten Linien als Vektorgrafiken speichert. Bei Neonotes funktioniert das inzwischen sehr gut. Via Bluetooth werden dann die Seiten und ganze Notizbücher in eine App übertragen, von wo aus sie weiter verwendet werden können. Das Verfahren hat aber auch mindestens zwei Nachteile: Bücher und Stifte sind teuer und die Akkus der Stifte müssen geladen sein. Der Smartpen von NeoNotes hat eine Micro-Usb Schnittstelle, was bedeutet, das man als iPad Nutzer außer dem Lighting oder USB-C Kabel noch ein Micro-Usb Kabel oder Adapter in der Tasche haben muss. In Kombination mit iPhone und Macbook ist die Tasche schnell voll alleine mit den Ladegeräten und Kabeln und Adaptern. Das Startup Rocketbook bietet eine schöne Alternative. Die erste Kampagne bei Kickstarter war ein überragender Erfolg, inzwischen hat Rocketbook nachgelegt und sich selbst übertroffen. Die Idee ist simpel: man schreibt mit einem gewöhnlichen Fineliner seine Notizen in ein Notizbuch oder -block. Ein leichter Stift, der keine 2$ kostet, nicht aufgeladen werden muss. Die Notizbücher sind eigentlich auch simpel. Keine teuren Microdot-Papers, sondern feine Seiten aus einem Kunstoff, der sich wie matt laminiertes Papier anfühlt. Das ist schon alles, Fast.
Zwei Besonderheiten machen Rocketbook zu einer praktischen Lösung.
1. Will man eine Seite digitalisieren, so genügt die Kamera des Smartphones und 1-7 Kreuzchen auf dem „Papier“. Mit dem Foto macht die Rpcketbook-App ein Dokument-Scan und verschickt die Seite(n) an eine oder mehrere von sieben ausgewählten Diensten. Das können sein iCloud, eMail-Adressen, Microsoft OneNote, Google Drive, Slack oder andere. Fertig. Handschrifterkennung gibt es auch und kann aktiviert werden, setzt allerdings eine wirklich ordentliche Handschrift voraus.
2. Rocketbooks kauft man nur einmal. Ist das Notizbuch voll, nimmt man ein feuchtes Mikrofasertuch (mitgeliefert) und wischt die Seite leer. Ja, kein Witz. Die Seiten lassen sich abwischen und sind wie neu. Viele Dinge haben sich dann ohnehin erledigt oder sind überholt und außerdem ein- oder mehrfach digital gespeichert. Rocketbooks sind nicht teurer als annoto-papers, aber man kauft sie nur ein einziges Mal. Es gibt verschieden Versionen, mit Kalender oder Todo Sytem oder einfach liniert und es gibt kleine Notizblöcke für die Westentasche.

Mit einem Rocket-Notizblock und einem Flixpen, die in jede Jacken- oder Handtache passen, ist man ohne ein elektronisches Gerät bestens ausgerüstet und kann ohne Netz, ohne Strom, in praller Sonne seine Gedanken notieren.
Später dann bringt man den Teil davon, den man dafür auswählt, via App ins Netz.
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mehr Infos hier everlast.getrocketbook.com oder fusion.getrocketbook.com
viel Spaß!

Thomas Wolfe

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"Schau heimwärts, Engel" gehört zu den Büchern, die man sich oft vornimmt zu lesen und dann immer wieder verschiebt, auf eine Zeit zu der mehr Zeit ist.
Ein ähnliches Schicksal erleiden die Bücher "Auf der Suche nach verlorenen Zeit" oder "Ulysses" oder "Phädra".
Man hört sich selbst zu, wenn man Sätze sagt, wie :
"Wenn ich Rentner bin, dann lese ich..."
Doch dann kommt das Virus Corona und man stellt fest: Wow, jetzt ist die Zeit doch
da! Also los.

Schau heimwärts Engel ist ein in jeder Hinsicht kolossales Buch. Damit ist weniger
der Umfang gemeint, als die Fülle des Inhalts. Dieses Buch hat ein Schriftsteller geschrieben, dessen Phantasie und Formulierungsgabe keine Grenzen zu kennen scheint. Man kann den Inhalt deshalb auch nicht mit einfachen Worten zusammen fassen. Schau heimwärts, Engel ist eben nicht nur die Lebensgeschichte eines jungen Mannes von der Geburt bis zu seinem 18. Lebensjahr und es ist auch nicht nur die Familiengeschichte der Gants am Anfang des 20. Jahrhundert und es ist genauso wenig "nur" die Geschichte einer Kleinstadt im mittleren Westen der USA. Alle drei Beschreibungen treffen ebenso zu wie sie doch nicht das Buch umfassend charakterisieren können.
Zurecht wird dieses Werk, dass glücklicherweise mit dem Literaturnobelpreis geadelt wurde, mit den Buddenbrocks verglichen. Auch bei Thomas Mann ist die Personen- und Familiengeschichte und das Sujet Ausdruck von viel mehr.
Und so wie Thomas Mann den Untergang der großbürgerlichen Gesellschaft zeichnet, so beschreibt Thomas Wolfe ein Amerika beim Eintritt ins 20. Jahrhundert, als ein Land,
dass immer noch von den unbegrenzten Möglichkeiten träumt, aber längst zwischen der eigenen Migrationsgeschichte und der Gier nach Kapital seine menschlichen Werte nicht finden kann, auch weil es sich nicht auf eine, die Identität stiftende Geschichte berufen kann. Amerika ist bei Thomas Wolfe das Land, das groß gedacht und klein gescheitert ist, ein Land, das seine Unschuld vierlieren wird.
Die Art und Weise, wie Thomas Wolfe diesen Eindruck schildert, ist einzigartig. Seine Fülle an Assoziationen, seine ganz eigene Art Details aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten etwas ganz Besonders. Am Anfang der Lektüre mag dieser Eindruck zunächst verstörend sein, aber im weiteren Verlauf wird sie zu einem Genuss.
In der Verfilmung des Lebens von Thomas Wolfe gibt es die Szene, als Wolfe seinem künftigen Verleger Perkins das tausendseitige Manuskript vorlegt. Als er von Perkins zu einem Gespräch eingeladen wird, erwartet Wolfe, wie bei allen anderen bisherigen Verlagen, eine Absage zu erhalten. Doch Perkins will dieses Buch. Doch so kann es nicht erscheinen. Niemand würde 1000 Seiten lesen, noch dazu in diesem chaotischen Durcheinander, sich zurecht finden können. Also ist die Bedingung, dass beide, Wolfe und Perkins, Kürzungen vornehmen werden und eine chronologische Struktur schaffen. Es gehört zu den Heldentaten, die am Ende mit dem Literaturnobelpreis belohnt werden, dass es beiden gelang, rund 300 Seiten zu streichen und die Texte in eine Reihenfolge zu bringen, die das Werk zum wirklich großen Roman gemacht haben.
Darüber hinaus ist dem Manesse Verlag nicht genug zu danken, 2009 eine Neuübersetzung herausgegeben zu haben die zudem mit 614 Anmerkungen die zahlreichen Zitate, Assoziationen und Bezüge zu entschlüsseln hilft.
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Im gleichen Verlag erschien jetzt ein Buch mit dem Titel: Thomas Wolfe - Eine Deutschlandreise.
Oliver Lubrich hat aus Tagebucheintragungen, Notizen, Briefen, literarischen Essays und Novellen, teilweise unvollendet, das Leben Thomaqs Wolfes und seine Reisen nach Europa, insbesondere Deutschland in den Jahren 1926 bis 1936 nachgezeichnet. Das sind die Jahre, in denen die Fertigstellung von Schau heimwärts, Engel und seine Veröffentlichung sowie die Arbeit am nächsten noch umfangreicheren Werk Von Zeit und Strom liegen. Zwischen den Reisden 1925 und 1926 liegen die vier Jahre "Pause", in denen Thomas Wolfe in einer Wohnung in Brooklynnichts anderes dachte und tat, als diesen zweiten Roman zu verfassen.
1930 schreibt er:
"Doch im März geschah das Unverhergesehene, das Unerhoffte. Die Stunde kam. Wenn jemals ein Mensch für eine Reise reif und bereit war, so war ich dieser Mensch. Ich, ein mit Müdigkeit kämpfendes Geschöpf, ich Maschine, die unermüdlich schrieb, ich, der ich kein anderes Leben als Schreiben kannte, ich, ein Tier, das in seiner
Höhle unter den Gebirgen seiner eigenen, nicht enden wollenden Arbeit gehaust. Denn immer noch schrieb ich und schrieb, einem Läufer gleich, der blind, trunken und halb vor Müdigkeit weiterläuft, obwohl er weiß, dass das Rennen gelaufen, seine Arbeit getan ist. Schließlich nahm man mir meine Arbeit weg und brachte michauf ein Schiff. ... Meine Freunde hatten zu mir gesagt, dass es jetzt nichts anderes für mich gäbe als Schlafen, Essen, neue Länder, Städte und Gesichter sehenund zu vergessen, dass ich jemals in Brooklyn gelebt oder ein Buch geschrieben hatte."
Thomas Wolfes Reisenotizen sind in vielerlei Hinsicht interessant und lesenswert. Zum einen ist sein Wandel in der Betrachtung der deutschen Verhältniss
zwischen 1925/26 und 1935/36. Es fällt ihm schwer, seine Sympathie für die deutsche Kultur und die intellektuelle Aufmerksamkeit seiner Person gegenüber ins Verhältnis zum aufkommenden Faschismus zu stellen und damit zu relativieren.
Und das obwohl seine Beobachtungen sehr detailreich, genau und mit vielen Assoziation erzählt werden. Seine Auseinandersetzung ist zunächst darauf gerichtet, dass im 1. Weltkrieg verbeitete Klischee des stiernackigen, biertrinkenden und felischessenden tumben Deutsch zu überprüfen. Und so wie die Bstätigung dieses Bildes z.B. auf dem Münchner Oktoberfest findet, so findet er eben auch die andere, die schöne Seite der Deutschen und des Landes.
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Und wer heute glaubt, das Leben eines Flaneurs hätte es vor 100 Jahren so nicht gegeben, wird eines besseren belehrt. Wolfe steht gern erst am späten Vormittag auf und begiebt sich nach ausgiebigem Frühstück und sorgfältiger Toilette erst gegen Mittag in die Gesellschaft. Er besucht fast alle Museen und gerne auch Bibliotheken. Am späten Nachmittag ist er bereits erschöpft und braucht ein kleines Nickerchen, bevor es dann zuerst ins Theater, dann zum Dinner und danach zu Gesellschaften, in Bar und anderswo hin geht und sein Hotelbett oftmals erst beim Morgendämmern erreicht.
Wolfes Zeitbild ist wie eine lebende Fotografie. Seine daraus entstandenen Novellen aber zeigen zum einen, wie sehr in die Eindrücke beschäftigt haben und zum anderen seine literarische Phantasie und sprachliche Meisterschaft.
Thomas Wolfe entdecken, das ist eines der schönsten Dinge, die man in Zeiten von Corona machen kann. Zwischen Schau heimwärts, Engel und Von Zeit und Fluss sind die Deutschlandreisen eine willkommene Abwechslung, die nur zu empfehlen ist.

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